Beichte Widmer-Schlumpfs

20. März 2008 - Politische Karfreitagsbeichte von Frau Widmer-Schlumpf

Wie es sich für eine gute Christin gehört, bin ich an Karfreitag in mich gegangen, um auf mein Leben und meine Verfehlungen des vergangenen Jahres zurückzublicken. Ich bitte Pater Christoph, meine Sünden nachzulassen und mir zu verzeihen.

Ich war stolz und ehrsüchtig. Ich habe aus purem Egoismus das Amt eines Bundesrates angestrebt. Nicht um meinem Land zu dienen, sondern bloß um meine Machtsucht zu befriedigen.

Ich habe meine Parteifreunde verraten und meinen politischen Gegnern in die Hand gespielt.

Aus blinder Amtsgier habe ich nicht gesehen, ja nicht merken wollen, daß sie mich aus Neid, Mißgunst und eigener Machtgier mißbrauchten, um ihre eigenen Ziele zu erreichen.

Ich habe mich für ein unwürdiges Intrigenspiel hergegeben und damit Anstand und Ehre geopfert.

Ich bin nicht würdig, daß ich weiterhin unter der Bundeshauskuppel eingehe.

Ich habe dem Amt als Bundesrat die Würde und die Achtung des Volkes genommen. Ich bin bereit, Buße zu tun und mich der gerechten Strafe durch sofortigen Rücktritt zu beugen.

Ich bin mir meiner tiefen Schuld bewußt und bitte alle meine SVP-Parteifreunde, mir zu verzeihen und meinen Rücktritt als Sühne anzunehmen.

Ich will mich inskünftig von allen Verlockungen für ein prestigeträchtiges Amt fernhalten.

Ich verspreche, in Zukunft nicht mehr selbstsüchtig meine Person in den Vordergrund stellen.

Daher werde ich mich in ein Frauenkloster zurückziehen und mich in stiller Einsamkeit demütig dem Gebet hingeben.